Welches Kinderbuch oder Bilderbuch bei Allergie und Anaphylaxie?

Welches Kinderbuch oder Bilderbuch bei Allergie und Anaphylaxie?

 

Immer wieder werde ich nach Tipps für ein Kinderbuch oder Bilderbuch bei Allergie und Anaphylaxie gefragt. Bei meinen Kinderschulungen lege ich Kinderbücher aus, die die Eltern sich ansehen können. Derzeit finden ausschließlich Online-Anaphylaxieschulung statt – da ist das mit dem Auslegen und Ansehen schwierig… Daher könnt ihr jetzt meine Empfehlungen und Einschätzungen zu ausgewählten, mir bekannten Allergie-Kinderbüchern hier in der Nuss-Ecke nachlesen.

 

Tipp: Die Buchtitel sind verlinkt, so dass du jeweils mit einem Klick direkt zum Buch kommst. *

 

Diese Bücher findest du hier im Artikel:

  • Alexander und seine Freunde (Alexander lernt seine Lektion; Alexander wird gemobbt; Alexander und seine Freunde zu Besuch in der grossen Schule)
  • Spurendetektiv Juri *
  • Die roten Fünf
  • Hannes Hase: Es gibt für alles im Leben eine Hasenlösung *
  • Was passiert im Krankenhaus? *
  • Emma und die Federmaus – Der „Ich kann es“-Zauber *

Kinderbuch-Bilderbuch-Allergie-Anaphylaxie

Alexander und seine Freunde (Alexander lernt seine Lektion; Alexander wird gemobbt; Alexander und seine Freunde zu Besuch in der grossen Schule)

 

AutorIn/Hrsg.: Anne Munoz-Furlong/Food Allergy Research & Education (FARE); deutschsprachige Ausgabe: Verein ErdNussAllergie und Anaphylaxie (VEaA)

Erscheinungsjahr: original 2003-2006; deutsche Übersetzung 2014-2015

Altersempfehlung lt. Handel:

 

Inhalt:

Die drei kleinen Büchlein über Alexander, den erdnussallergischen Elefanten, zeigen uns auf kindgerechte Weise verschiedene Facetten des Lebens mit Nahrungsmittelallergien: So hat Alexander z.B. eine anaphylaktische Reaktion, weil er einem „verbotenen“ Keks nicht widerstehen kann; er macht unschöne Erfahrungen mit einem gemeinen Jungen in seiner Schule; und er begleitet Laura, die sich selbst noch gut an ihre Anaphylaxie als Kind erinnern kann, zu einem Vortrag über Nahrungsmittelallergien an einer Schule. Begleitet wird er von seinen Freunden, teils Tier, teils Mensch, manche mit Allergien, manche ohne.

 

Meine persönliche Einschätzung:

Die Alexander-Büchlein wurden von der amerikanischen Organisation FARE speziell für nahrungsmittelallergische Kinder mit Anaphylaxierisiko konzipiert und steigen jeweils auf wenigen Seiten tief ins Thema ein, eingebunden in nette Geschichten und niedliche Figuren mit Identifikationspotenzial. Was bei einer anaphylaktischen Reaktion passiert, welche Grundregeln es für kleine AllergikerInnen gibt, wie man mit Mobbing umgehen kann – das sind wichtige Themen, die aus meiner Sicht für Vorschul- und Grundschulkinder passend aufbereitet sind. Für jüngere Kindergartenkinder müsste es vielleicht sprachlich an manchen Stellen etwas vereinfacht vorgelesen werden, und ältere Grundschulkinder könnten es zum Selbstlesen vielleicht etwas zu kindlich finden. Die wichtigen Botschaften dieser Büchlein begleiten aber auf jeden Fall durch die gesamte Kindheit!

 

Fazit:

Die Schweizer Patientenorganisation VEaA hat mit ihren Übersetzungen eine wertvolle Hilfe für deutsch-, französisch- und italienischsprachige Familien ermöglicht, die ich auf jeden Fall empfehlen kann! Die Bücher sind ausschließlich im VEaA-Webshop zu erhalten.

 

Spurendetektiv Juri *

 

AutorIn/Hrsg.: Xenia Wilbur-Hertlein

Erscheinungsjahr: 2019

Altersempfehlung lt. Handel:

 

Inhalt:

Juri, das kleine Drachenkind, kommt in den Kindergarten und erklärt den anderen Kindern seine Allergie gegen Haselnüsse und Erdnüsse. Er beschreibt, was passiert, wenn er sie isst, und erklärt, dass er Spurendetektiv geworden ist, damit nichts passiert. Nun wollen alle Drachenkinder Spurendetektiv werden, und Juri zeigt ihnen, wie das geht. Zusammen gehen sie auf die Suche und verbannen alle Haselnüsse und Erdnüsse aus dem Kindergarten.

 

Meine persönliche Einschätzung:

Spurendetektiv Juri wurde von einer Mutter für ihr haselnuss- und erdnussallergisches Kind geschrieben und illustriert. Die selbstgestalteten Bildchen sind total niedlich für kleine Nahrungsmittelallergiker sowie deren Geschwister und Freunde. Die Geschichte an sich ist schön klar und einfach erzählt, so dass sie für die Zielgruppe der Kita-Starter (ca. 2-4 Jährige) aus meiner Sicht gut geeignet ist. Ein wenig störend empfinde ich das Wort „Spritze“ und die dazugehörige explizite Darstellung einer Spritze mit herausstehender Nadel anstatt eines Autoinjektors. Im zweiten Teil des Buches wird es komplexer: Es finden sich mehrere Auflistungen („Spurendetektiv-Pässe“) für kleine Drachen mit Allergie, ohne Allergie und für große Drachen mit verschiedenen Regeln, die sich teils überschneiden, teils unterscheiden. Das ist aus meiner Sicht etwas kompliziert und zu detailreich für die ganz Kleinen, und an einzelnen Stellen vielleicht auch etwas „zu viel des Guten“, was die Empfehlungen angeht. Die wichtigen Grundregeln sind aber schön in die Geschichte eingebunden, und letztendlich wird vielleicht jedes vorlesende Elternteil abwägen können, welche zusätzlichen Regeln man beim Vorlesen einbinden und welche man lieber weglassen möchte.

 

Fazit:

Spurendetektiv Juri ist aktuell das einzige mir bekannte Bilderbuch für Kinder, das so detailreich speziell für Erdnuss- und Haselnussallergiker und die Kindergarten-Situation gedacht ist. Ich finde es sehr niedlich umgesetzt und hilfreich für Kindergartenkinder!

 

Die roten Fünf – Das Bilderbuch zu Nahrungsmittelallergien *

 

AutorIn/Hrsg.: Verena Herleth

Erscheinungsjahr: 2018

Altersempfehlung lt. Handel: 5-8 Jahre

 

Auch erhältlich im Onlineshop des DAAB e.V.

 

Inhalt:

Ida Igel, Bine Biber, Rudi Raupe, Molli Maus und Emil Eichhorn – das sind die „roten fünf“ Freunde mit verschiedenen Nahrungsmittelallergien. Um ihr Handgelenk tragen sie alle ein rotes Armband, das sie daran erinnern soll, vor dem Essen nachzufragen, ob sie es essen können. Sie erzählen, was jeweils passieren kann, wenn sie das falsche essen, wie ein Allergietest abläuft, wie das Immunsystem als Körperpolizei arbeitet, was es mit den IgE-Kämpfern auf sich hat u.v.m. Im Anschluss an die eigentliche Geschichte folgt ein zweiter Teil in Form eines „Arbeitsbuches“ mit vielen Informationen für Kinder und Eltern sowie thematisch unterteilten Seiten zum Ausmalen/Ausfüllen jeweils links für das betroffene Kind und rechts für „mitbetroffene“ Erwachsene bzw. Eltern.

 

Meine persönliche Einschätzung:

Die roten Fünf geht auf kindgerechte Weise intensiv auf Nahrungsmittelallergien und die Prozesse im Körper ein. Dass die Tiere jeweils gegen ein Nahrungsmittel allergisch sind, welches die jeweilige Tierart bekanntermaßen am liebsten verzehrt, macht es umso liebenswerter: Wenn ein Eichhörnchen so gut ohne Haselnüsse, ein Igel ohne Ei, eine Raupe ohne Obst, ein Biber ohne Gemüse und sogar eine Maus ohne Käse (Milch) auskommen und trotzdem ein schönes Picknick haben kann, ist das für Kinder sehr hilfreich und motivierend. Die Unterteilung in Geschichte und „Arbeitsbuch“ finde ich sehr gelungen. Im Arbeitsbuch empfinde ich die (sozial)pädagogischen Themen als besonders gelungen: Anderssein und Einzigartigkeit, Veränderung, Helfer an der Seite – das sind Kategorien, die für Grundschulkinder neben der Allergenvermeidung im Alltag enorm wichtig sind.

Allerdings ist das Buch insgesamt inhaltlich und stellenweise auch sprachlich sehr komplex für jüngere Kinder, so dass man es nicht „mal eben“ vorlesen kann, sondern sich eher etappenweise und immer wieder Zeit dafür nehmen sollte. Schade finde ich, dass es bei aller Komplexität gar nicht auf das Thema „Spuren“ eingeht.

 

Fazit:

Die roten Fünf ist ein sehr informatives und hilfreiches Lese-Projekt für nahrungsmittelallergische Grundschulkinder und ihre Eltern gleichermaßen – ein „Must have“ im Bücherregal eines Kindes mit Nahrungsmittelallergien!

 

Hannes Hase: Es gibt für alles im Leben eine Hasenlösung *

 

AutorIn/Hrsg: Astrid Wörn, Sandra Bredschneider

Erscheinungsjahr: 2007

Altersempfehlung im Handel: 3-8 Jahre

 

Inhalt:

Hannes, ein kleiner Hasenjunge, nimmt uns mit in seine Allergie-Geschichte. Er erzählt, wie er plötzlich keine Möhren mehr essen kann und auch noch „Sommerschnupfen“ bekommen hat, wie er zum Arzt muss und ein Allergietest gemacht wird, und dass er nun keine Möhren mehr essen und nicht mehr im Gras spielen darf. Als er darüber sehr traurig ist, tröstet ihn sein Hundefreund und erzählt von anderen Tieren und Menschen, die er kennt, die auch ganz Vieles nicht mehr essen können. Alle zusammen finden Lösungen, wie Hannes trotzdem ein schönes Leben haben kann und es ihm gut geht.

 

Meine persönliche Einschätzung:

Hannes Hase war das erste Allergiebuch, das ich 2012 für meinen damals fünfjährigen Sohn gekauft habe. Er hat es sehr gern gemocht. Die Geschichte ist sehr niedlich erzählt, und durch die Verbindung von Tier- und Menschenwelt bietet es schöne Möglichkeiten für Kindergartenkinder, sich einerseits mit den Figuren zu identifizieren und Ähnlichkeiten festzustellen, und andererseits in deren Welt einzutauchen. Was mir sehr gefällt, ist der positive, lösungsorientierte Ansatz: „Es gibt für alles im Leben eine (Hasen)lösung“. Das spiegelt sich auch in den schön gemalten Bildern wider. Das Thema Allergie ist sehr einfach gehalten und simpel erklärt, und damit ganz gut verständlich für Kindergartenkinder. Für Grundschulkinder (Empfehlung bis 8 Jahre) ist es aus meiner Sicht nicht mehr so interessant. Was mich damals sehr gestört hat, ist die Werbung für die beiden Sponsoren des Buches: eine Firma für Naturkosmetik und eine für Natur-Textilien. Sponsoring generell und dass die beiden Firmen hinten im Buch vorgestellt werden, finde ich total legitim. Aber dass Hannes sich am Abend mit einer bestimmten Creme eincremt und ein bestimmtes T-Shirt trägt – das habe ich als etwas deplatziert empfunden und damals beim Vorlesen übersprungen. Es mag aber für Kinder, die zusätzlich an Neurodermitis leiden, durchaus hilfreich sein.

 

Fazit:

Hannes Hase ist ein niedliches Bilderbuch für Kindergartenkinder mit verschiedenen Allergien und Nahrungsmittelallergien, das ich auf jeden Fall empfehlen möchte!

 

Was passiert im Krankenhaus? (Wieso? Weshalb? Warum? Bd. 53) *

 

AutorIn/Hrsg.: Andrea Erne, Marion Kreimeyer-Visse

Erscheinungsjahr: 2011

Altersempfehlung lt. Handel: 4-7 Jahre

 

Inhalt:

Wie sieht es in einem Krankenhaus aus, wie kann man dort ankommen (als Notfall mit dem Rettungswagen oder selbst für einen geplanten Aufenthalt), wie läuft eine Untersuchung ab, wo schläft man dort, wie kann man sich beschäftigen und Spaß haben, was machen die Krankenschwestern, wann darf man wieder nach Hause u.v.m. – all diese Fragen werden in bekannter Wieso? Weshalb? Warum?-Weise beantwortet, zum Vorlesen und Selbstentdecken anhand der Klapp-Bildchen.

 

Meine persönliche Einschätzung:

Dieses Buch hat zwar nichts konkret mit Allergien zu tun, ist aber ein Rundum-schlau-Buch für alle Themen rund um einen (möglichen) Krankenhaus-Aufenthalt und eine fantastische Möglichkeit, Allergie-Kinder z.B. auf eine anstehende Nahrungsmittelprovokation vorzubereiten oder auch rückblickend einen Krankenhausaufenthalt zu verarbeiten. Auch Geschwisterkinder können sich so besser vorstellen, was im Krankenhaus passiert. Themenbereiche wie Operationen, Knochenbrüche und Geburt sind gleichermaßen spannend, wenn auch nicht allergierelevant. Meine Kinder haben diese Buchreihe geliebt und auch über das 7. Lebensjahr hinaus sehr gern gelesen, auch das Krankenhaus-Buch.

 

Fazit:

Krankenhaus-Aufenthalt kommen bei den meisten Kindern mit Nahrungsmittelallergien vor, als Notfall oder geplant zur stationären Diagnostik. Dieses Buch bietet eine hervorragende Möglichkeit, sich dem Thema sachlich, entspannt und positiv zu nähern. Unbedingte Empfehlung!

 

Emma und die Federmaus – Der „Ich kann es“-Zauber *

 

AutorIn/Hrsg.: Margit Wickhoff, Reinhard Kerndle

Erscheinungsjahr: 2020

Altersempfehlung lt. Handel: 3-6 Jahre

 

Hier kannst du einen Blick ins Buch werfen und direkt beim Verlag bestellen: www.federmaus.at

 

Inhalt:

Emma stinksauer, weil sie ihr Puzzle nicht schafft. Da taucht plötzlich Lieselotte Federmaus im Kinderzimmer auf und schenkt Emma eine Zauberfeder, mit der sie alles schaffen kann. Diesen „Ich kann es“-Zauber probiert Emma fortan aus, gibt ihn auch an ihren Bruder weiter – und plötzlich klappt alles!

 

Meine persönliche Einschätzung:

Dieses Buch hat auf den ersten Blick nichts mit Allergien zu tun. Auf den zweiten Blick schon, denn es spiegelt genau das wider, was aus meiner Sicht (neben allem Wissen und Aufpassen) ein wichtiger Grundbaustein für einen guten und gelassenen Allergie-Alltag ist: Eine positivere innere Haltung. „Nicht die Allergie bestimmt unser Leben, sondern wir bestimmen unser Leben mit der Allergie.“ Anders gesagt: Du kannst alles tun (außer dein Allergen essen)! Ich bin sicher, der „Ich kann es“-Zauber hilft Kindergartenkindern dabei, sich diese Haltung anzueignen. Und das Vorwort über „Die magische Zauberkraft unserer Gedanken“ hilft auch den Eltern!

 

Fazit:

Ein zauberhaftes und schön illustriertes Bilderbuch als Anstoß für einen positiven Umgang mit der Allergie – unbedingte Empfehlung meinerseits!

 

Kennst du weitere Kinderbücher oder Bilderbücher für Kinder mit Allergien und Anaphylaxie? Schreib mir gern in die Kommentare!

Herzlichst
Kristina Schmidt

 

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