Provokationstest bei Erdnussallergie

Provokationstest bei Erdnussallergie und anderen Nahrungsmittelallergien: No-Go oder Nonplusultra?

Wer schon eine Nahrungsmittelprovokation hinter sich hat, kennt das Prozedere: den Verzehr eines Allergens in stufenweise zunehmenden Mengen unter stationären Bedingungen, also ärztlich überwacht in einer (im Idealfall spezialisierten) Klinik. Nur so lässt sich eine Allergie wirklich nachweisen oder ausschließen. In welcher Form das Allergen verabreicht wird, hängt vom jeweiligen Allergen ab: Bei einer Provokation zum Nachweis oder Ausschluss einer Erdnussallergie kann z.B. entfettetes Erdnussmehl in Pudding, Apfelmus oder ähnliches eingerührt werden; bei einer möglichen Milchallergie ist die Trägersubstanz eher flüssig; wenn es um verbackene Milch oder Ei geht, wiederum anders. Der genaue Ablauf des Provokationstests sollte vorher bei der durchführenden Klinik erfragt werden.

 

„Allergie ist erst, wenn reagiert wird!“

 

Obwohl diagnostische Verfahren inzwischen genauere Vorhersagen einer möglichen Anaphylaxie auf z.B. Erdnuss oder Haselnuss ermöglichen, bringt die orale Nahrungsmittelprovokation als einziger Test wirklich Gewissheit, denn: Ein Allergietest zeigt erstmal nur eine Sensibilisierung an – eigentlich sollte man ihn „Sensibilisierungstest“ nennen.

 

DBPCFC ist kein Buchstabensalat!

 

Ein Provokationstest ist kein Spaziergang. Er ist aufwändig und (psychisch) belastend, für Eltern und Kinder! Um psychosomatische Reaktionen auszuschließen und objektive Symptome zu erkennen, wird besonders bei älteren Kindern und Jugendlichen eine DBPCFC (double-blind placebo-controlled food challenge = doppelblinde, placebokontrollierte Nahrungsmittelprovokation) durchgeführt. Hierbei wird an einem Tag mit dem Allergen provoziert und am anderen Tag mit einem allergenfreien Placebo; aufgedeckt wird das erst am Ende der Provo.

 

„Einen Provokationstest würde ich meinem Kind niemals antun!“ Oder doch?

 

Die Situation ist eigentlich absurd: Ich bringe mein gesundes Kind in die Klinik, um ihm dort etwas zu geben, das es eventuell ziemlich krank macht, so dass es Medikamente braucht. Verständlicherweise stößt das erstmal auf Befremden, nicht nur bei Eltern betroffener Kinder, sondern auch in deren Umfeld.

 

Warum ist ein Provokationstest trotzdem sinnvoll?

 

Aus meiner Sicht kann man bei einer Nahrungsmittelprovokation nur gewinnen, nämlich mehr Klarheit und Erkenntnisse!

Im besten Fall gewinnt man zusätzlich noch mehr Freiheit und/oder mehr Sicherheit!

Nach dem Provokationstest wirst du wissen, ob und wie dein Kind auf den Verzehr von z.B. Erdnuss reagiert:

  • Du wirst vielleicht feststellen, dass er/sie nicht schon bei einer Kleinstmenge in Lebensgefahr schwebt…
  • Oder du wirst erleben, wie sich eine Reaktion durch Medikamente schnell eindämmen lässt – vielleicht darfst du sogar selbst den Adrenalinpen anwenden und dadurch Angst und Hemmungen für den Alltag abbauen?
  • Du erfährst mehr über die Toleranzschwelle, also die Allergenmenge, die dein Kind ohne Reaktion vertragen kann (wobei diese aufgrund von verschiedenen Faktoren schwanken kann).
  • Möglicherweise stellt sich auch heraus, dass dein Kind trotz Sensibilisierung im Blut gar nicht reagiert und ihr mit neu gewonnener Freiheit in die Toleranzerhaltung geht? Das wäre natürlich der Idealfall!
Provokationstest Walnuss

Provokationstest Walnuss

Heißt das: Provokationstests für jeden und alle?

 

Nein, natürlich nicht. Ob und wann und wie ein Provokationstest bei Verdacht auf Erdnussallergie, Nussallergie u.a. durchgeführt werden sollte oder nicht, muss individuell mit den behandelnden Ärzten besprochen werden. Auch sollte das eigene Bauchgefühl stimmen: Wenn sich alles in dir dagegen sträubt und du dir absolut nicht vorstellen kannst, dich mit deinem Kind in diese Situation zu begeben, oder wenn dein älteres Kind sich absolut weigert, ist es vielleicht auch nicht der richtige Zeitpunkt, über eine Provokation nachzudenken.

 

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Wir haben vier Provokationstests hinter uns: Einer ist katastrophal eskaliert (absoluter Ausnahmefall in einer damals unerfahrenen Klinik), zwei waren negativ (d.h. danach konnte das Allergen verzehrt werden) und einer war positiv (d.h. Anaphylaxie „angekratzt“, aber schnell eingedämmt). Der fünfte Test liegt vor uns, in der uns bekannten Spezialklinik – mein Sohn freut sich sogar auf seinen „Lieblings-Doc“!

 

Mein Fazit zu Provokationstests bei Nahrungsmittelallergien:

 

Wenn eine Nahrungsmittelprovokation ärztlich empfohlen wird, kannst du aus meiner Sicht nur gewinnen: Klarheit! Danach kennst du „den Feind“ oder kannst dich von ihm verabschieden. Dementsprechend kannst du die Allergie auch nach außen (gegenüber der erweiterten Familie, ErzieherInnen, LehrerInnen etc.) wesentlich klarer und sicherer kommunizieren. Gerne unterstütze ich dich dabei!

 

Welche Erfahrungen mit Provokationstests hast du gemacht? Schreib gern einen Kommentar!

 

Herzlichst

Kristina Schmidt

 

P.S. Kann Spuren von Wissen enthalten!

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