Fifty Shades of Nutella® – Urlaub mit Allergie

Fifty Shades of Nutella® – Urlaub mit Allergie

Urlaub – das ist für mich: Zeit mit der Familie; mit Meer, Licht und Luft; mit leckerem Essen, netten Leuten, an schönen Orten… Raus aus dem Alltag, Erholung pur! Schon immer haben wir in unserem eigenen Tempo geurlaubt und uns selbst versorgt. Aber natürlich sind wir auch Essen gegangen, sind über Märkte gebummelt und haben regionale Spezialitäten probiert, ein Eis genossen, Leckereien vom Bäcker mitgenommen…

Dann kam die Allergie. Und blieb.

Sie ist immer da, wo wir sind – auch im Urlaub.

Lange war sie für uns eine schwere Last, die uns große Angst gemacht hat. Überall lauerten Gefahren und Verunsicherungen, und ziemlich schnell war klar: Erholen können wir uns nicht, wenn wir ständig Angst haben, zumal ja zwei der schweren Anaphylaxien unseres damals vierjährigen Sohnes während eines einzigen Urlaubs stattgefunden hatten. Also sind wir mehrere Jahre nach der Diagnose in Deutschland geblieben und haben uns gar nicht mehr ins Ausland getraut. In Deutschland wussten wir, was wir kaufen und wie wir uns im Notfall verständigen können. Auch haben wir immer geschaut, ob ein Krankenhaus in der Nähe war, denn wir wollten nicht noch einmal 35 Minuten am Urlaubsort auf einen Notarzt warten müssen.

Ein paar Jahre nach der Diagnose „trauten“ wir uns erst in die Niederlande, dann nach England und Schweden – jeweils mit reichlich aus Deutschland mitgebrachten Lebensmitteln.

Und dann? Frankreich!

Ein kleiner, feiner Campingplatz in der Bretagne, direkt am Meer, 30 km entfernt vom nächsten Krankenhaus. Der erste Urlaub dort war eine Herausforderung, sowohl emotional als auch sprachlich. Allergenkennzeichnung auf Französisch funktioniert genauso wie in allen anderen europäischen Ländern, aber das Lesen in der nicht ganz so vertrauten Fremdsprache hat viel Zeit gekostet und war durchaus frustrierend, denn „traces des fruits de coques“ erschienen omnipräsent. Auch ist Frankreich ein sehr nussiges Land! Offen verkaufte Nüsse in allen Variationen, Gebäck und sonstige Spezialitäten mit Nüssen findet man in jedem Supermarkt und auf all den schönen Märkten. Auf dem Campingplatz gibt es jeden Abend einen anderen Essens-Anbieter: mal ein Nuss-Stand, mal Thai-Essen oder indonesische Küche, Crêpes mit Nutella… Allein die französische Angebotspalette von Nutella-Produkten lässt schon tiiief blicken: Manch ein Nutella-Fan bleibt hier mit großen Augen „sabbernd“ vor dem Regal stehen… Und überhaupt: Nutella oder Nusspli oder wie die ganzen Nuss-Nougat-Cremes so heißen, sind in jedem Zelt und jedem Wohnwagen vertreten, wo auch immer die Kinder sich aufhalten.

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Und dennoch: Inzwischen fühlen wir uns auch in Frankreich (wieder) heimisch. Selbst 30 km vom Krankenhaus entfernt. Wir haben zahlreiche gut deklarierende Hersteller und Produkte ohne „Spuren“ gefunden und freuen uns jedes Jahr darauf, neue Lebensmittel-Entdeckungen zu machen! Unser Sohn ist als Frühaufsteher derjenige, der morgens die Croissants beim französischen Bäcker kauft, obwohl er sie nicht isst, denn seine nussfreien Croissants bringen wir aus Deutschland mit. Selbstverständlich hat er seinen Pen im Bauchgurt dabei, wenn er sich frei (ohne „lästige“ Eltern) auf dem Campingplatz und am Strand bewegt. Er schließt dort Freundschaften und erklärt seinen neuen Kumpels völlig unbefangen, warum er immer einen Adrenalinpen dabei hat und bestimmte Dinge beim Essen beachten muss. Es klappt sogar so gut, dass sich vormals fremde Menschen bei spontanen Gemeinschaftsaktionen, bei denen jeder seinen Tisch, Stühle und etwas zu Essen mitbringt, ganz selbstverständlich mit uns absprechen und dafür sorgen, dass unser Kind mitessen kann. Das hat uns sehr berührt und nachhaltig beeindruckt! Niemand hat gezweifelt oder sich beklagt – es ist völlig klar, dass am gemeinsamen Essen ALLE teilnehmen und kein Rettungshubschrauber landen muss! Dafür, dass wir immer wieder auf so offene Menschen treffen und dazu in der Lage sind, unser Anliegen so klar zu kommunizieren, bin ich wirklich sehr, sehr dankbar!

Fazit: Angstfreier Urlaub ist möglich!

Auch im Ausland und wenn das Krankenhaus weiter entfernt ist. Und es ist wunderschön zu sehen, wie selbstverständlich die Kinder mit der Allergie wachsen und für sich selbst einstehen können. Die Allergie gehört zu unserem Familienleben, sie ist halt da. Wir haben sie akzeptiert und leben mit ihr. Früher oder später wird sie wohl wieder zuschlagen, denn 100 % Sicherheit gibt es leider nicht. Aber wir tun alles, um sie im Zaum zu halten, und wissen, wie wir ihr im Notfall begegnen. Bis dahin genießen wir das Leben und schaffen viele schöne Erinnerungen!

Nur das mit dem Eis und dem spontanen Genuss auf dem Markt, das fehlt mir dann doch… 😉

Herzlichst

Kristina Schmidt

 

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